Die Belem ist ein dreimastiges französisches Segelschiff aus dem späten 19. Jahrhundert und gehört heute zu den berühmtesten und besterhaltenen Traditionsschiffen Europas. Gebaut wurde sie 1896 auf der Werft Dubigeon in Nantes, ursprünglich als stählerner Frachtsegler für den Handel mit Übersee. Ihr Hauptfahrgebiet waren die Routen nach Brasilien und in die Westindischen Inseln, vor allem zum Transport von Kakao, Zucker und Kaffee. Der Schiffstyp entspricht dem eines Dreimast-Barkriggers, robust gebaut für schwere Atlantikpassagen, mit großem Laderaum, langem Rumpf und leistungsfähiger Segelfläche für zügige, wirtschaftliche Fahrten.
Die Belem besitzt einen Stahlrumpf in Vollspantenbauweise, mit ausgewogener Linienführung, kräftiger Bordwandstärke und sauber proportioniertem Freibord. Ihre Länge beträgt rund 58 Meter, die Breite etwas über 8 Meter, das maximale Segeltragevermögen liegt bei etwa 1.000 Quadratmetern Segeltuch. Ihre Takelage umfasst Rahsegel am Fock- und Großmast, Gaffelsegel am Besanmast sowie umfangreiche Stagreiter-Vorsegel auf Bugspriet und Vorstagen, was der Barktakelung hohe Vielseitigkeit in wechselnden Windrichtungen verleiht. Die stabile Mast- und Spierenkonstruktion folgt streng funktionalen Anforderungen des damaligen Frachtseglers: leistungsstark auf raumen Kursen, zuverlässig gegenan, strukturell belastbar bei schwerem Atlantikseegang.
Nach Jahrzehnten im Frachtdienst wurde die Belem zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehrfach umgebaut und diente zeitweise als Luxusyacht, später als Schul- und Stationsschiff, unter anderem unter britischer und italienischer Flagge. Die Umbauten beließen den Grundcharakter des Schiffskörpers, passten jedoch Aufbauten, Innenräume und Ausrüstung an die jeweiligen Aufgaben an. Trotz mehrerer Eigentümerwechsel blieb die originale Struktur erhalten, ein Umstand, der ihre historische Authentizität bewahrt hat. In den 1970er Jahren erfolgte eine umfassende Restaurierung, die sie in ihren traditionellen Zustand als Rah- und Gaffelschiff zurückführte, ergänzt durch moderne Sicherheits- und Navigationssysteme für den Ausbildungseinsatz.
Heute fährt die Belem unter französischer Flagge als Segelschul- und Repräsentationsschiff der Belem-Stiftung. Sie dient zur Ausbildung junger Seeleute, zur Vermittlung traditioneller Seemannschaft und zur Präsenz bei maritimen Großveranstaltungen in Europa. Ihr äußeres Erscheinungsbild ist geprägt von schwarzem Rumpf mit weißen Zierlinien, klar strukturierten Decks, massiven Holzaufbauten, poliertem Messingbeschlag und sorgfältig gepflegtem Tauwerk. Die Kombination aus originalgetreuer Tradition und moderner Sicherheitstechnik macht sie zu einem lebendigen Zeugnis des späten Frachtschiffsails der Windjammerzeit.
Die Belem gilt als letzter französischer Großsegler des klassischen Frachtschiffszeitalters, der noch aktiv unter Segeln steht. Ihre Geschichte verbindet wirtschaftliche Nutzung, repräsentative Wandlung und maritime Ausbildung in einem einzigen Schiff und verleiht ihr einen besonderen Rang in der europäischen Seefahrtsgeschichte. Sie symbolisiert robuste Ingenieurskunst des späten 19. Jahrhunderts, traditionelle Navigation, nautisches Handwerk und kulturelle Kontinuität innerhalb der Welt der Großsegler.